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Interviews

Aktuelle Trends auf dem Arbeitsmarkt - Interview mit Antolín Romero

Die Entwicklungen im Jahr 2020 haben uns gezeigt, dass sich Unternehmen auf die immer schneller voranschreitenden Veränderungen und Entwicklungen einstellen müssen. Aus diesem Grund befinden sich genau jene Maßnahmen, die Unternehmen dabei unterstützen, agiler zu werden, auf den Wandel vorzubereiten und - was noch wichtiger ist - sich um ihre Mitarbeiter zu kümmern, auf dem Vormarsch.

 

 

Arbeiten im Homeoffice: Ein bedeutender Trend auf dem Arbeitsmarkt

 

Infolge der Covid-19-Pandemie mussten sich Unternehmen in Windeseile auf die geänderte Arbeitssituation einstellen, da sie die meisten ihrer Mitarbeiter ins Homeoffice schickten. Dadurch arbeiten in Deutschland mittlerweile so viele Menschen wie nie von zu Hause. Laut einer IHK-Umfrage sind es in der Industrie rund 75 Prozent der befragten Unternehmen und im Handel immerhin noch 54 Prozent. Hier wirkt die Krise sozusagen als Digitalisierungsschub.

 

Diese "neue" Art des Arbeitens stellt eine enorme Herausforderung für Unternehmen dar, insbesondere für Personalabteilungen. Aspekte zur Unternehmenskultur, Mitarbeitererfahrung oder Rekrutierungsmethoden gewinnen dementsprechend zunehmend an Bedeutung.

 

In unserem heutigen Gespräch reden wir mit Antolín Romero, Journalist und Moderator der spanischen TV-Sendung "Aquí hay trabajo". In diesem Format beantwortet er regelmäßig Fragen zu Arbeitnehmerrechten, Pflichten und unternehmerisches Denken und Handeln. 

 

 

 

1. Wie schaffen es spanische Unternehmen, durch die Remote-Arbeit Fachkräfte für sich zu gewinnen?

 

Mir ist es immer lieber, auf Informationen hinzuweisen anstatt meine Meinung zu verkünden. Es gibt schon genug Journalisten, die Dir sagen, wie die Dinge sein sollten. Sie haben zu allem eine Meinung und sagen Dir ständig, wie Du die Dinge machen solltest. 

 

Ich denke, wir sollten in dieser Situation die Abläufe vereinfachen und beschleunigen. Nur so können mehr Menschen im Homeoffice oder sonst wo auf der Welt arbeiten oder ein Unternehmen gründen. Unsere Aufgabe ist es, so viel wie möglich zu erleichtern und vereinfachen. Hier sind wir meiner Meinung nach noch weit davon entfernt, ein vernünftiges Ziel zu erreichen.

 


2. Wie lässt sich eine einheitliche Unternehmenskultur beim Arbeiten im Homeoffice am besten realisieren?

 

Unternehmen sind nun aufgefordert, sich klar zu machen, worin ihr eigentlicher Nutzen liegt. Dieser muss über das Naheliegende hinausgehen und auf den eigenen Nutzen und den ihrer Mitarbeiter ausgerichtet sein. 

 

Die Frage lautet: Warum tun wir, was wir tun? Das muss nicht unbedingt bedeuten, die Welt retten zu wollen. Diese Ziele können auch einfacher, greifbarer und realistischer und mehr am Unternehmen orientiert sein.

 

Ebenso denke ich, dass diese Ziele entsprechend vermittelt werden müssen - nicht nur die Unternehmensziele, sondern auch die aller Mitarbeiter. Arbeitszeiten sind dabei nicht unbedingt so wichtig. Man muss nicht unbedingt acht Stunden arbeiten. Erfüllen wir unsere Ziele, reichen auch weniger Arbeitsstunden, sofern die Ziele glasklar definiert sind.

 

Ein weiterer entscheidender Faktor ist das Kommunizieren der Unternehmenskultur. Hier müssen wir über das bloße Schönreden hinausgehen, jenseits der Statements und schön klingender Aussagen... und diese Kultur VORLEBEN, die man predigt. Was wäre besser zur Kommunikation unserer Zielvorstellungen geeignet, als den Beschäftigten mit gutem Beispiel voranzugehen. So demonstrieren wir auf Unternehmensebene, durch die Geschäftsleitung und die Führungskräfte, dass dies tatsächlich im Unternehmen geschieht.

 

Es gibt keinen besseren Weg, ein Kind (und Mitarbeiter) zu begeistern, als Werte durch unser eigenes Handeln zu vermitteln. Generell ist es immer am besten, mit gutem Beispiel voranzugehen.


3. Wie steht es um die Innovationskultur und den Entrepreneurial Spirit in Spanien?

 

Es gibt zahlreiche Unternehmen mit unterschiedlichen Kulturen, die sich auf einem völlig anderen Niveau befinden. Wir haben vor kurzem in der spanischen Stadt Mengibar in Jaén ein Unternehmen kennengelernt, das trotz oder gerade wegen einer Vier-Tage-Woche produktiv und profitabel arbeitet. Für sie funktioniert dieses Konzept wunderbar.  

 

Einige Unternehmen kümmern sich bereits hervorragend um ihre Mitarbeiter, weil sie wissen, dass ihre Mitarbeiter sich wiederum für das Unternehmen einsetzen werden. Wieder andere stecken noch in den Kinderschuhen und merken erst, dass etwas nicht stimmt, wenn sie die Gewinn- und Verlustrechnung sehen. Meiner Meinung nach ist es diese Gewinn- und Verlustrechnung, die alle Unternehmen und die Arbeiter auf den richtigen Weg bringt.


4. Wie wird das vom spanischen Gesetzgeber geforderte Lohngleichheitsgesetz unser Leben verändern?

 

Ich finde es großartig, dass es Gesetze gibt, die aktuelle Ungleichgewichte korrigieren. Allerdings habe ich mehr Vertrauen in bildungsorientierte Gesetze, weil sie das Problem letztlich an der Wurzel anpacken. 

 

Wir müssen aufklären - nicht nur in der Geschäftswelt oder an der Universität, sondern auch in der Schule und zu Hause. Bildung ist entscheidend, wenn wir diese Ungleichheiten wirklich ausgleichen wollen. Die Ungleichheiten werden sich im Laufe der Zeit verringern, aber es gibt noch viel zu tun.

 

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5. Welche Verbesserungen siehst Du im Personalauswahlprozess?

 

Ähnlich wie ich vorhin über Unternehmen gesagt habe, gehen Personalabteilungen ihre Herausforderungen auf unterschiedliche Art und Weise an. In meiner spanischen Sendung "Aquí hay trabajo" erzählen uns Zuschauer von den Fragen, die ihnen in Vorstellungsgesprächen gestellt werden, und das ist schon ziemlich beschämend. Überhaupt berichten uns viele unserer Zuschauer aus der HR-Welt, dass sie von solchen Kollegen unangenehm berührt sind.

 

Aber auch hier gilt, dass einige viel schneller voranschreiten als andere. Wir müssen kontinuierlich an der Aufklärung neuer Werte arbeiten. Allen, die es noch nicht begriffen haben, müssen wir zeigen, dass das Personalwesen dafür sorgt, dass ihr Unternehmen die richtigen Mitarbeiter einstellt. Die Besten sind nicht deshalb die Besten, bloß weil sie Männer oder Frauen sind, auch nicht, weil sie 50 oder 20 Jahre alt sind, darum geht es hier nicht. Die Besten sind die Besten, und Personalabteilungen müssen die besten Mitarbeiter für ihr Unternehmen finden. Darauf kommt es an.

 

Hier gibt es zu viele Vorbehalte, und das Erste, was ein Personalverantwortlicher tun sollte - und ich bin mir sicher, dass die meisten das tun - ist, sich mit dem Gesetz vertraut zu machen und genau herauszufinden, was sie fragen dürfen und was nicht. 

 

Vielleicht stellst Du keine Fragen und ziehst stattdessen Deine eigenen Schlüsse, indem Du Dir den Bewerber ansiehst, unabhängig davon, ob der Lebenslauf ein Foto zeigt oder nicht.  Hier sollten sich Personalmanager daran erinnern, dass es nicht auf Fotos ankommt, außer bei öffentlichkeitswirksamen Positionen. 

 

Personalverantwortliche sollten nicht aufgrund eines Fotos entscheiden, ob jemand für den Job geeignet ist oder nicht. Wer glaubt, dass Bewerber über ihr Alter definiert werden, sollte seine Herangehensweise an dieses Thema in der Personalabteilung überdenken.

 

 

6. Eine persönliche Überlegung

 

Der Arbeitsmarkt in Spanien ist mit zahlreichen Schwierigkeiten behaftet. Unsere Arbeitslosenzahlen passen nicht zu unserem unmittelbaren Umfeld. Diese Zahlen gehören zu den schlechtesten in Europa, und wir haben eine Menge Arbeit vor uns.  Ich bin davon überzeugt, dass wir diese Aufgabe gemeinsam angehen müssen: Arbeitnehmer, Unternehmen, Personalabteilung, Gewerkschaften - wir alle müssen zu einer Vereinbarung kommen. Schließlich handelt es sich um eine Win-Win-Situation. Wir alle profitieren, wir alle haben viel zu gewinnen. 

 

Es gibt eine Menge zu tun. Das war schon vor der Pandemie so, und jetzt noch mehr. Doch wie ich immer wieder betone, ist das gleichzeitig eine Chance. Ganz nach dem Motto: "Jeder Krise wohnt auch eine Chance inne." 

 

In meiner spanischen Fernsehsendung "Aquí hay trabajo" haben wir über Unternehmern berichtet, die es geschafft haben, Krisen zu überwinden und ihr Geschäft profitabel zu machen, indem sie es von Grund auf umgekrempelt haben. Ich behaupte nicht, der Weg dorthin sei einfach, man müsse es sich nur wünschen und es würde passieren. Nein, es ist wesentlich komplizierter, aber es ist machbar und jetzt ist die Zeit, es anzupacken.

 

Auf unserem Arbeitsmarkt herrscht ein großes Durcheinander, aber es liegt an uns, das wieder in Ordnung zu bringen, und das ist mit Sicherheit möglich.

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