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Mitarbeiterschulung

Ausbildung und Ausbildungsvertrag – alles, was Personaler wissen müssen

Eine betriebliche oder duale Ausbildung zielt darauf ab, (junge) Menschen durch die Kombination von Theorie und beruflicher Praxis in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Auszubildende erlernen während dieser Zeit berufsspezifische Fähigkeiten und arbeiten mit erfahrenen Mitarbeitern und Führungskräften zusammen. Davon profitieren nicht nur die Auszubildenden, sondern auch die Unternehmen. Mehr als 70 Prozent der Auszubildenden werden von ihrem Ausbildungsbetrieb übernommen beziehungsweise bleiben dem Unternehmen längerfristig als Mitarbeiter treu. Während die Kombination von betrieblicher Praxis und Berufsschule Auszubildende zielgenau auf das Berufsleben vorbereitet, sichern sich Arbeitgeber so ihre Fachkräfte von morgen. 

 

Welche Voraussetzungen ein Unternehmen erfüllen muss, um auszubilden, was bei einer betrieblichen Ausbildung beachtet werden muss und welche Vorteile sie für Unternehmen und für Auszubildende bietet, erklären wir in diesem Artikel. 

 

 

Wie sind betriebliche Ausbildungen gesetzlich geregelt?

 

Die gesetzliche Grundlage für Ausbildungsverhältnisse bildet das Berufsbildungsgesetz (BBiG). Es definiert eine Berufsausbildung wie folgt: „Die Berufsausbildung hat die für die Ausübung einer qualifizierten beruflichen Tätigkeit in einer sich wandelnden Arbeitswelt notwendigen beruflichen Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten (berufliche Handlungsfähigkeit) in einem geordneten Ausbildungsgang zu vermitteln. Sie hat ferner den Erwerb der erforderlichen Berufserfahrungen zu ermöglichen.“ Grundlage für eine Berufsausbildung in einem Unternehmen sind die sogenannten Ausbildungsordnungen, die für jeden Ausbildungsberuf die anerkannten Berufsabschlüsse sowie die erforderlichen Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten festlegen.

 

Geregelt ist der betriebliche Teil der dualen Ausbildung also im bereits erwähnten BBiG, in der Handwerksordnung und im Jugendarbeitsschutzgesetz. Hierin finden sich die wichtigsten Regeln für Unternehmen und Auszubildende, also die Rechte und die Pflichten für beide Seiten, sowie Angaben zum Ausbildungsvertrag

 

 

Was ist ein Ausbildungsvertrag?

 

In der betrieblichen Ausbildung ist ein Ausbildungsvertrag nichts anderes als eine Vereinbarung zwischen einem Unternehmen oder Ausbildungsbetrieb und einem Auszubildenden, der sich in einem bestimmten Beruf ausbilden lassen möchte. Um eine rechtskräftige Vereinbarung zu schließen, muss dieser Vertrag grundsätzlich vor dem Beginn der Ausbildung schriftlich geschlossen werden (§ 11 BBiG). Bei unter 18-jährigen Auszubildenden verlangt der Gesetzgeber allerdings auch die Einwilligung der gesetzlichen Vertreter.

 

Haben alle Parteien unterschrieben, wird der Berufsausbildungsvertrag an die zuständige Stelle, beispielsweise Industrie- und Handelskammer oder Handwerkskammer, geschickt. Dort wird geprüft, ob der Ausbildungsvertrag den gesetzlichen Anforderungen entspricht. Ist das der Fall, wird der Vertrag in das Verzeichnis der Berufsausbildungsverhältnisse eingetragen (siehe dazu auch die Broschüre „Ausbildung & Beruf – Rechte und Pflichten während der Berufsausbildung“ vom BMBF).

 

Ein Muster für einen Ausbildungsvertrag findet sich ebenfalls in der Broschüre des BMBF.

 

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Unterschied zwischen Ausbildungs- und Praktikumsvertrag

 

Für manche erscheinen Berufsausbildungen und Praktika ähnlich. Bei beiden handelt es sich um eine besondere Vereinbarung zwischen einem Arbeitgeber und einem Arbeitnehmer, hier Auszubildender oder Praktikant, der durch Arbeitstätigkeit Erfahrungen in einem Unternehmen sammeln möchte. Aber da hören die Gemeinsamkeiten schon auf und die Unterschiede rücken in den Vordergrund. 

 

Erstens: Ausbildungen beruhen auf formellen, vertraglichen Vereinbarungen zwischen einem Arbeitgeber und einem Auszubildenden – und Ausbildungsvereinbarungen müssen klar festgelegte gesetzliche Anforderungen erfüllen. Praktika hingegen sind informelle Vereinbarungen. Laut § 26 BBiG besteht keine Pflicht für einen schriftlichen Praktikantenvertrag. Es ist allerdings immer empfehlenswert, einen Vertrag, der beispielsweise den Einsatzbereich und die Anforderungen festlegt, in Schriftform abzuschließen. Abhängig von der Art des Praktikums gelten für Praktikanten unterschiedliche Vorschriften, beispielsweise das BBiG, die Ausbildungsordnungen oder die Studienordnungen.

 

Zweitens: Betriebliche Ausbildungen werden immer bezahlt und Auszubildende haben einen Anspruch auf Mindestvergütung (mehr dazu weiter unten). Bei Praktikanten sieht das ein wenig anders aus. Hier ist die Art des Praktikums ausschlaggebend für die Vergütung, den Urlaubsanspruch oder auch die Sozialversicherungspflicht. „Bei freiwilligen Praktika über drei Monate wird der Mindestlohn fällig. Angaben über die Vergütung gehören dann zwingend in den Vertrag“, heißt es auf der Website von praktikum.info. Bei einem Pflichtpraktikum dagegen müssen Unternehmen keine Vergütung zahlen.

 

Drittens: Der Hauptunterschied aber liegt in den unterschiedlichen Zielen, die mit einer Ausbildung oder mit einem Praktikum verfolgt werden. Eine Ausbildung hat den Zweck, jemanden in einen bestimmten Beruf auszubilden und auf diesem Gebiet zu spezialisieren. In aller Regel endet eine Ausbildung mit einer Abschlussprüfung und die Auszubildenden erhalten ein Ausbildungszeugnis inklusive Nachweise, also eine staatlich anerkannte Qualifikation. Ausbildungen richten sich an Personen, die bereits eine klare Vorstellung von der Branche haben, in der sie arbeiten möchten, sowie von dem Karriereweg, den sie einschlagen möchten. Ein Praktikum hingegen liefert lediglich Einblicke in das Berufsleben; es geht darum, erste Erfahrungen zu sammeln und in den Beruf zu schnuppern. In aller Regel endet ein Praktikum nicht mit einem qualifizierten Berufsabschluss.

 

Auf den Punkt gebracht: Der Unterschied zwischen einem Ausbildungsvertrag und einer Praktikumsvereinbarung liegt in den damit verfolgten Zielen und den rechtlichen Rahmenbedingungen.

 

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Vorteile einer Ausbildung

 

Ausbildungen bieten sowohl den Unternehmen als auch den von ihnen eingestellten Auszubildenden deutliche Vorteile

 

 

Vorteile für Unternehmen

 

Unternehmen, die ihren eigenen Nachwuchs ausbilden, machen sich vom Arbeitsmarkt unabhängig und sichern sich qualifizierte und motivierte Fachkräfte. Welche Vorteile bieten sich für Unternehmen also konkret?

 

 

1. Kostenreduzierung

 

Neue Fachkräfte zu finden, einzuarbeiten und zu qualifizieren, ist nicht nur zeitaufwendig, sondern auch teuer. Für Unternehmen ist es in der Regel günstiger, auf eigene Auszubildende zurückzugreifen. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: ein niedrigeres Gehalt für Berufseinsteiger, geringere Kosten für Personalgewinnung und Einarbeitungszeit. Auszubildende arbeiten bereits während der Ausbildung effektiv im Unternehmen mit. Nach ihrer Ausbildungszeit haben sie lange genug im Unternehmen mitgearbeitet und kennen interne Abläufe, Aufgaben, Mitarbeiter gut. Das wiederum mindert das Risiko von teuren Fehlbesetzungen.

 

 

2. Imagegewinn

 

Entscheiden sich Unternehmen dazu, auszubilden, hat das auch einen positiven Einfluss auf ihr Image. Immerhin zeigt ein Unternehmen damit – in der Branche oder auch in der Region –, dass es gut aufgestellt und in der Lage ist, den Nachwuchs zu fördern und in die Zukunft zu investieren.

 

 

3. Fachkräftesicherung und mehr Wettbewerbsfähigkeit

 

Ein Fachkräftemangel zeichnet sich auf dem Arbeitsmarkt schon länger ab und Unternehmen haben es zunehmend schwerer, qualifizierte Fachkräfte zu finden. Wer ausbildet, bereitet den Nachwuchs auf die Arbeit im eigenen Unternehmen vor und stellt sicher, dass dieser die Qualifikationen erlernt, die für den Unternehmenserfolg wichtig sind.

 

 

4. Mehr Produktivität und Innovation für das Unternehmen

 

Mit der Ausbildung von Nachwuchskräften kann ein Unternehmen seine Produktivität verbessern. Auszubildende arbeiten produktiv im Unternehmen mit. Die Kosten, die sie verursachen, bringen sie in vielen Fällen auch wieder rein. Sie sorgen außerdem für frischen Wind im Unternehmen, weil sie vorhandene Routinen hinterfragen und neue Ideen und Impulse einbringen.

 

Ausbildungsvertrag Kosten und NutzenQuelle: Bundesinstitut für Berufsbildung

 

 

5. Qualifizierung von Mitarbeitern


Wenn ein Unternehmen einen Auszubildenden einstellt, kann das helfen, vorhandene Mitarbeiter weiterzubilden. Beispielsweise müssen Unternehmen die Qualität der Ausbildung sichern. Das könnte in bestimmten Fällen heißen, dass Technologien auf den aktuellen Stand gebracht werden müssen – und davon profitieren auch vorhandene Mitarbeiter. 

 

 

6. Mitarbeiterbindung und Loyalität

 

Eine Ausbildung fördert die Identifikation und Verbundenheit mit dem Unternehmen – nicht nur bei den Auszubildenden selbst, sondern auch bei der gesamten Belegschaft.

 

 

Vorteile für Auszubildende

 

Auch für Auszubildende gibt es ganz klare Vorteile:

 

 

1. Bezahlte praktische Ausbildung und Zugang zum Arbeitsmarkt

 

Auszubildende haben die Möglichkeit, einen Beruf zu erlernen, Erfahrungen zu sammeln und gleichzeitig dafür bezahlt zu werden.

 

 

2. Ausbildungsvertrag bis zu 3,5 Jahre

 

Ausbildungsverträge haben eine festgesetzte Dauer von bis zu dreieinhalb Jahren, was ein gewisse Arbeitsplatzsicherheit gewährt.

 

 

3. Berufliche Qualifikationen


Auszubildende erlangen in ihrer Ausbildung berufliche Grundlagen für einen bestimmten Beruf. Im dualen Ausbildungsverhältnis verdienen sie vom ersten Tag an nicht nur Geld, sondern sammeln konkrete Berufserfahrungen. Darüber hinaus können sie sofort einen wertvollen Beitrag für das Unternehmen leisten. 

 

 

4. Aussicht auf einen unbefristeten Vertrag

 

Es gibt keine gesetzliche Verpflichtung, einen Auszubildenden nach dem Ende der Ausbildung zu übernehmen. Da Personaler aber den Fachkräftemangel immer mehr zu spüren bekommen, ist eine Investition in den eigenen Nachwuchs eine Möglichkeit, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Viele Unternehmen sind stark daran interessiert, die eigenen Auszubildenden auch nach Ausbildungsende zu halten und ihnen einen unbefristeten Vertrag anzubieten.

 

In unserem Leitfaden für Personalmanager gibt es ausführliche Tipps zur Personalentwicklung und Mitarbeiterschulungen.

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