Gleitzeit ist eines der am häufigsten genutzten flexiblen Arbeitszeitmodelle in Unternehmen. Sie ermöglicht Mitarbeitenden, Beginn und Ende ihrer Arbeitszeit innerhalb definierter Rahmenbedingungen selbst zu bestimmen.
In der Praxis steht Gleitzeit jedoch selten allein. Viele Unternehmen arbeiten heute mit mehreren Arbeitszeitmodellen parallel – etwa festen Arbeitszeiten in Produktion oder Lager, Gleitzeit für Büroteams und Vertrauensarbeitszeit für bestimmte Rollen. Entscheidend ist dabei nicht nur die Flexibilität, sondern auch die strukturierte Erfassung von Arbeitszeiten, Überstunden und Zeitausgleich.
Damit Gleitzeit alltagstauglich bleibt, müssen Regeln wie Kernarbeitszeiten, Gleitzeitkonten oder sogenannte Gleittage klar definiert und nachvollziehbar umgesetzt werden.
Bei Gleitzeit handelt es sich um ein Arbeitszeitmodell. Danach haben alle Angestellten die Möglichkeit, ihre Arbeitszeit innerhalb eines festgelegten Zeitraums selbst einzuteilen. Als Arbeitgeber steht es Dir dabei frei, diesen Zeitraum zu bestimmen.
Zugleich hast Du auch die Möglichkeit, innerhalb der Gleitzeit Kernarbeitszeiten (siehe dazu auch Kernarbeitszeit: Grundlagen, Vorteile und der Umgang mit Verstößen) festzulegen. Als solche werden Zeiträume bezeichnet, in denen alle Angestellten anwesend sein müssen.
Etwas klarer wird die Darstellung der Gleitzeit oft anhand eines Beispiels. Nehmen wir an, Du legst die Zeitspanne auf einen Bereich zwischen 7 und 18 Uhr.
Nun kann eine Mitarbeiterin, die 40 Stunden in der Woche, also 8 Stunden täglich, Vollzeit arbeitet, ihre Zeit entsprechend aufteilen.
Während der Gleitzeitspanne von 7 bis 18 Uhr wären folgende Konstellationen (mit je 30-minütiger Pause) denkbar:
Besonders Mitarbeiter, die erst sehr spät erscheinen oder aber längere Pausen in der Zwischenzeit machen, können zum Problem werden, sofern Kundenverkehr herrscht oder aber Meetings anstehen.
Es bietet sich daher an, die Gleitzeit durch die Kernarbeitszeit klarer zu begrenzen. So kannst Du beispielsweise eine Kernarbeitszeit zwischen 9:00 und 15:00 Uhr anordnen. Auf diese Art und Weise können alle Angestellten zwischen 7:00 und 9:00 Uhr erscheinen und bereits um 15:00 Uhr oder aber erst um 18:00 Uhr die Arbeit niederlegen.
Tipp: Je unabhängiger eine Abteilung arbeitet, desto weniger relevant sind klare Vorgaben. Somit kannst Du hier für deutliche Freiheiten sorgen, die sich positiv auf die Mitarbeiterzufriedenheit auswirken.
Haben mehrere Arbeitnehmer einen ähnlichen Aufgabenbereich, der mit Kundenkontakt zusammenhängt oder aber zumindest die Anwesenheit erfordert, kannst Du als Arbeitgeber die Verantwortung auch übertragen.
Konkret kann dies bei einem Team aus drei Personen bedeuten, dass stets mindestens zwei Personen zu bestimmten Zeiten anwesend sind.
So kann die dritte Person sich die Zeit frei einteilen. Diese kann dabei auf verschiedene Tage verteilt werden und ist auch bei Urlaubsvertretungen zu berücksichtigen.
Generell haben Angestellte bei diesem Modell viele Freiheiten. So können die Mitarbeitende beispielsweise frei über ihre tägliche und wöchentliche Arbeitszeit bestimmen, sofern das Monatskonto ausgeglichen ist.
Überstunden können so gezielt auf- und wieder abgebaut werden. Dies ist wichtig, wenn konkrete Projekte anstehen, die etwas mehr Engagement erfordern. In ruhigeren Phasen können sie diese Stunden hingegen wieder abbauen, um das eigene Arbeitszeitkonto auszugleichen.
Achtung: Die Einführung eines entsprechenden Modells erfordert viel Vertrauen. Überlege daher genau, ob und wie weit es möglich ist, Freiheiten einzuräumen und gleichzeitig gute Arbeitsergebnisse zu erhalten.
In der täglichen Unternehmenspraxis zeigt sich, dass Gleitzeit vor allem dort eingesetzt wird, wo Arbeitszeiten weniger stark von Schichtplänen oder Maschinenlaufzeiten abhängen – etwa in Verwaltung, Büro, Projektarbeit oder im Management.
Häufig existieren dabei mehrere Arbeitszeitprofile nebeneinander. Während Mitarbeitende in Produktion oder Logistik feste Arbeitszeiten haben, nutzen Büroteams Gleitzeit, und einzelne Rollen arbeiten auf Vertrauensbasis. Entscheidend ist, dass diese Modelle klar voneinander abgegrenzt und sauber dokumentiert sind.
Für Unternehmen bedeutet das: Gleitzeit muss flexibel genug sein, um individuelle Arbeitsweisen zu ermöglichen – und gleichzeitig strukturiert genug, um Arbeitszeiten, Überstunden und Ausgleich transparent abzubilden. Eine digitale Zeiterfassung bildet dafür die Grundlage.
In vielen Unternehmen ist Gleitzeit nur ein Baustein innerhalb eines größeren Arbeitszeitkonzepts. Typische Kombinationen sind:
feste Arbeitszeiten für operative oder produktionsnahe Teams
Gleitzeit für Office-, Verwaltungs- oder Projektrollen
Vertrauensarbeitszeit für Führungskräfte oder wissensbasierte Tätigkeiten
Damit diese Modelle parallel funktionieren, müssen gemeinsame Rahmenbedingungen definiert werden – etwa eine Kernarbeitszeit oder klare Regeln zur Erfassung von Mehrarbeit. Besonders wichtig ist eine saubere Abgrenzung zwischen Gleitzeit und Vertrauensarbeitszeit, da sich daraus unterschiedliche Anforderungen an Zeiterfassung und Auswertung ergeben.
Ein zentrales Element der Gleitzeit ist der Zeitausgleich. Über ein Gleitzeitkonto sammeln Mitarbeitende Plus- oder Minusstunden, die später ausgeglichen werden können – etwa durch früheres Gehen, spätere Arbeitsaufnahme oder ganze Gleittage.
Gleittage ermöglichen es, angesammelte Stunden in Form ganzer freier Tage zu nutzen, ohne dafür Urlaub nehmen zu müssen. In der Praxis ist dafür entscheidend:
dass Überstunden klar vom regulären Gleitzeitkonto abgegrenzt sind
dass Regeln für den Abbau von Zeitguthaben definiert sind
dass Ausgleich transparent dokumentiert wird
Ohne eine saubere Zeiterfassung wird es schnell unübersichtlich, ob Stunden noch im Rahmen der Gleitzeit liegen oder bereits als Überstunden gelten.
Sofern Du als Arbeitgeber lediglich eine Wochenarbeitszeit von 40 Stunden vorgibst, können Deine Angestellten ihre Zeit auf 5 Tage aufteilen.
Beliebt ist es beispielsweise, von Montag bis Donnerstag je 8 ½ Stunden zu arbeiten. Dafür kann die Arbeitszeit am Freitag auf 6 Stunden (ohne Pause) verkürzt werden. Ein etwas längeres Wochenende lässt sich so bestens nutzen und erhöht die grundsätzliche Arbeitsmotivation.
In Kombination mit einem Überstundenkonto können Arbeitnehmer so auch einige Überstunden bewusst aufbauen, um diese in ruhigen Phasen und auch für private Belange einsetzen zu können.
Auf diese Weise ist es dank der Gleitzeit beispielsweise möglich, einen Arzttermin morgens einzuplanen und dafür freitags oder aber in der nächsten Woche etwas länger zu arbeiten.
In der Praxis nutzen viele Unternehmen Gleitzeit gezielt, um Überstunden durch Zeitausgleich abzubauen. Wichtig ist dabei eine klare Trennung zwischen regulären Gleitzeitstunden und echten Überstunden, da für beide unterschiedliche rechtliche und organisatorische Regeln gelten. Eine transparente Erfassung hilft, Missverständnisse zu vermeiden und Ausgleich fair zu gestalten, und auch gegebenenfalls eine Auszahlung von Überstunden zu vermeiden.
Tipp: Begrenze die Überstunden im Rahmen der Gleitzeit. Hilfreich ist dabei ein Ampelsystem, bei dem die Überstunden oder auch Minusstunden bei maximal 20, 30 oder 40 liegen.
Fast alle Angestellten wünschen sich flexible Arbeitszeiten. Gerade Gleitzeit kann dabei einen entscheidenden Beitrag leisten, um gute und gleichzeitig engagierte Arbeitnehmerinnen zu gewinnen. So lässt sich das allgemeine Standing des Unternehmens steigern und gleichzeitig das intern herrschende Klima verbessern.
Die Flexibilität, die im Rahmen der Gleitzeit erreicht wird, führt dabei oft zu deutlich weniger Fehltagen. Da sich die Arbeitszeiten besser einteilen lassen, müssen nicht gleich ganze Arbeitstage entfallen.
Nachteilig ist allerdings, dass die Koordination anfänglich nicht immer einfach ist. Vor allem bei der Zusammenarbeit mehrerer Abteilungen sind daher Gleitzeitmodelle hilfreich, die Kernarbeitszeiten beinhalten.
Dürfen einige Arbeitnehmerinnen aus einer Abteilung ihre Arbeitszeit frei einteilen, andere Mitarbeiter hingegen nicht, kann dies jedoch auch zu Spannungen innerhalb des Unternehmens führen.
Tipp: Sei innovativ und flexibel, denn in Zukunft wird Gleitzeit in immer mehr Bereichen zur Realität.
Existiert in Deinem Unternehmen ein Betriebsrat, so musst Du diesen an jeglichen Änderungen hinsichtlich der Arbeitszeit beteiligen. Dies ergibt sich aus § 87 Abs. 1 Nr. 2 BetrVG (Betriebsverfassungsgesetz).
Bedenke daher, dass die Einführung der Regeln meist einfach ist, nachträgliche (negative) Änderungen hingegen schwer umsetzbar sein können.
Nein, grundsätzlich besteht keine Pflicht zur Einführung der Gleitzeit. Dementsprechend gelten auch keine Sonderregeln.
Ja, sofern es in Deinem Unternehmen einen solchen gibt, hat dieser ein Mitbestimmungsrecht. Dieses bezieht sich unter anderem auf Änderungen der täglichen oder wöchentlichen Arbeitszeiten.
Flexibilität erhöht die Mitarbeiterzufriedenheit. So entstehen weniger Krankentage und die Produktivität verbessert sich.
Viele Unternehmen verwalten heute mehrere Arbeitszeitmodelle gleichzeitig – von festen Arbeitszeiten über Gleitzeit bis hin zu Vertrauensarbeitszeit. Als Personalverwaltungssoftware unterstützt Kenjo Dich dabei, diese Modelle strukturiert abzubilden und Arbeitszeiten transparent zu erfassen.
Gleitzeitmodelle lassen sich flexibel konfigurieren, etwa durch die Definition von Kernarbeitszeiten, Gleitzeitspannen, Gleitzeitkonten oder Gleittagen. Mitarbeitende erfassen ihre Arbeitszeiten eigenverantwortlich, während Überstunden und Zeitausgleich nachvollziehbar dokumentiert werden.
So behältst Du den Überblick über Arbeitszeiten und Zeitkonten, ohne den administrativen Aufwand zu erhöhen – und schaffst eine verlässliche Grundlage für flexible Arbeitszeitmodelle im Unternehmen.