Schichtarbeit ist besonders in größeren Unternehmen und in Branchen gängig, die über die übliche Tagesarbeitszeit hinaus arbeiten, zum Beispiel in großen produzierenden Unternehmen, im Gesundheitswesen oder auch im Einzelhandel. Schichtmodelle helfen, die Arbeit in mehreren Schichten erfolgreich zu organisieren und auf die Bedürfnisse eines Unternehmens abzustimmen.
Arbeitgeber müssen sich allerdings bei der Gestaltung des Schichtdienstes an gesetzliche Vorgaben halten. Diese sind unter anderem in der EU-Arbeitszeitrichtlinie (2003/88/EG) und im deutschen Arbeitszeitgesetz (ArbZG) geregelt. Umso wichtiger ist es deshalb zu wissen, welches Schichtsystem zu Deinem Unternehmen passt und gleichzeitig ausreichend Ruhe- und Erholungszeiten für Deine Mitarbeiter*innen schafft.
Zunächst einmal bedeutet Schichtarbeit, dass die Mitarbeiter zu verschiedenen, gegebenenfalls wechselnden Tageszeiten arbeiten müssen, mitunter auch nachts.
Schichtmodelle beschreiben wiederum die Art und Weise, wie Arbeitgeber die Schichten innerhalb eines Tages oder einer Woche in einem Schichtplan einteilen. Herausfordernd bei der Planung von Schichten ist, die vorgeschriebenen gesetzlichen Regelungen zu Ruhezeiten einzuhalten. Welches Modell sich für die Schichtarbeit in einem Unternehmen am besten eignet, hängt von den Anforderungen des Betriebs und der Branche ab (siehe saisonale Schwankungen), aber auch von der Anzahl der verfügbaren Personen pro Schicht. Grundsätzlich gibt es unterschiedliche Modelle, die Schichten aufzuteilen. Ausführlichere Informationen dazu findest Du weiter unten.
Schichtmodelle basieren meist auf sogenannten Wechselschichten, das heißt, die Arbeitnehmer*innen wechseln sich ab, um etwa die Produktion des Unternehmens im vorgegebenen zeitlichen Rahmen aufrechtzuerhalten. In unterschiedlichen Fällen schließt dies auch einen 24-Stunden-Betrieb oder Wochenend- und Feiertagsarbeit ein.
Der DGB definiert Wechselschicht als „eine besondere Form der Schichtarbeit, in der die Arbeitszeit einem Mehrschichtsystem folgt“, beispielsweise in einem Drei-Schichtsystem. Das heißt, bei einem Wechselschichtsystem oder Wechselschichtmodell ändert sich die Reihenfolge der Schichten in einem regelmäßigen Rhythmus. „Eine Person leistet also Wechselschicht, wenn sich die Arbeitszeit dauerhaft rhythmisch verändert, sie also ihre Arbeit zu wechselnden Zeiten ausübt.“
Üblich sind Wechselschichten beispielsweise im Gesundheitswesen oder bei Bereitschaftsdiensten. Die Schichten werden im Voraus in einem Schichtplan zeitlich festgelegt und gleichmäßig auf die Mitarbeiter*innen aufgeteilt. Damit soll vermieden werden, dass Mitarbeiter*innen nicht nur am Wochenende oder in der Nacht arbeiten. Meist ändert sich der Arbeitsrhythmus wöchentlich.
Die EU-Mitgliedstaaten können eigene Gesetze zu Arbeitszeiten und Schichtarbeit erlassen, „müssen sich aber innerhalb des Rahmens bewegen, den die EU vorgibt“, heißt es auf EU-Info.Deutschland. Dazu gehört auch die Einhaltung des Recht auf faire Arbeitsbedingungen, das beispielsweise in der Europäischen Säule sozialer Rechte sowie in der Charta der Grundrechte der EU verankert ist.
Die EU-Arbeitszeitrichtlinie gibt den Spielraum zur Gestaltung der Arbeitszeit – und damit auch der Schicht- und Nachtarbeit – in den einzelnen Mitgliedsstaaten vor:
In Deutschland wird die Arbeitszeit, Nacht- und Schichtarbeit unter anderem im Deutschen Arbeitszeitgesetz (ArbZG), im Mutterschutzgesetz (MuSchG) und im Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSch) geregelt. Folgendes solltest Du bei der Erstellung von Schichtplänen unbedingt beachten:
Unternehmen handhaben die Gestaltung der Arbeits- und Schichtzeiten unterschiedlich. Je nachdem, wie die Arbeit organisiert ist, kommen unterschiedliche Schichtmodelle zum Einsatz. Unterschieden können wir Schichtmodelle zunächst hinsichtlich ihrer Durchlaufzeit:
Bei vollkontinuierlichen Schichtmodellen (auch „Vollkonti“ genannt) arbeiten Unternehmen rund um die Uhr, also 24 Stunden am Tag, sieben Tage pro Woche. Die Mitarbeiter*innen arbeiten normalerweise in drei Schichten – Früh-, Spät- und Nachtschicht. Mitunter gibt es eine Tagesschicht zusätzlich.
Anders als beim vollkontinuierlichen Schichtmodell ist hier das Wochenende frei, das heißt, die Mitarbeiter*innen machen Schichten nur an fünf Tagen pro Woche – aber ebenfalls rund um die Uhr, also Früh-, Spät- und Nachtschicht. Dieses Modell findet in vielen Produktionsunternehmen Anwendung.
Ein teilkontinuierliches Schichtmodell kann aber auch auf sieben Tage pro Woche ausgelegt sein, allerdings ohne den Einsatz von Nachtarbeit. Beispielsweise arbeiten Mietwagenverleihe oder der Einzelhandel am Flughafen oftmals nach diesem Modell.
Im Folgenden unterscheiden wir die Schichtmodelle auf Basis der eigentlichen Anzahl der Schichten:
Der Name verrät es schon: Das Zwei-Schichtmodell besteht aus zwei nacheinander liegenden Schichten und bezieht sich meist auf das teilkontinuierliche Schichtmodell ohne Nachtarbeit. Denn mit nur zwei Schichten ist ein Tag- und Nachtbetrieb nicht möglich, ohne dass es auf Kosten der gesetzlichen Höchstarbeitszeiten und Ruhepausen ginge. In der Regel wechseln die Arbeitnehmer*innen wöchentlich zwischen Früh- und Spätschicht ab.
Für einen Rund-um-die-Uhr-Betrieb brauchen Unternehmen ein Schichtmodell mit mindestens drei Schichten, also Früh-, Spät- und Nachtschicht zu je acht Stunden. Ein Unternehmen im 24-Stunden-Betrieb wendet das vollkontinuierliche Schichtsystem an. Arbeitnehmer*innen haben in der Regel zwei Ruhetage zwischen den einzelnen Schichtwechseln.
Laut DGB kommen Vier- oder Fünf-Schichtmodelle dann zum Einsatz, „wenn in Tarifverträgen Arbeitszeiten geregelt sind, die sich in einem Vollkonti-Schichtsystem‘ mit einem Drei-Schichtmodell nicht realisieren lassen“ – und die gesetzliche Höchstarbeitszeit pro Woche gefährden könnten. Bei Vier- oder Fünf-Schichtmodellen haben Unternehmen die Möglichkeit, einen kontinuierlichen Betrieb durch mehr als drei Schichten zu gewährleisten. Beispielsweise können hier bestimmte Zeiten am Tag höher besetzt werden; zur Früh-, Spät- und Nachtschicht kommt dann noch eine Tagesschicht hinzu (etwa als Urlaubs- oder Krankenvertretung).
Damit alle Arbeitsprozesse reibungslos ablaufen, müssen Unternehmen die Schichtfolgen festlegen: Rotierende Schichtsysteme sollen eine gerechte Arbeitsverteilung im Unternehmen gewährleisten und beschreiben im Grunde diese Aufeinanderfolge der Schichten. Dabei unterscheiden wir zwischen vorwärts- und rückwärts rotierenden Schichtsystemen. Vorwärts rotierende Schichtfolgen sind laut Untersuchungen gesundheitlich besser für die Beschäftigten als die umgekehrte Reihenfolge. Bei Schichtfolgen, die vorwärts, also im Uhrzeigersinn, rotieren, wechseln die Mitarbeiter*innen von Frühschicht auf Spätschicht und anschließend von Spätschicht auf Nachtschicht.
Schichtarbeit ist relativ weit verbreitet und bietet wichtige Vorteile für Unternehmen und Beschäftigte:
Natürlich bieten Schichtsysteme nicht nur Vorteile. Es ergeben sich auch einige Nachteile, und zwar für beide Seiten:
Schichtarbeit und Schichtmodelle gibt es in viele Branchen; insbesondere in jenen, in denen beispielsweise rund um die Uhr produziert wird oder auch außerhalb der üblichen Tagesarbeitszeit die Weiterarbeit erforderlich ist. Schichtarbeit ist üblich:
Von Unternehmen zu Unternehmen kann die Schichtorganisation, also die Häufigkeit der Schichtwechsel, die Schichtlänge oder auch die Anzahl der nacheinander liegenden Schichten etwas anders aussehen. Eines sollte bis hierher aber klar geworden sein: Eine schlechte Organisation der Schichten zieht zahlreiche Probleme am Arbeitsplatz mit sich. Damit Du die Schichtarbeit in Deinem Unternehmen gut gestalten kannst, haben wir hier einige sogenannte Best Practices zur Schichtorganisation für Dich:
Zur Organisation und Gestaltung von Schichtplänen eignen sich insbesondere zwei Instrumente: Excel-Tabellen oder Planungssoftwares zur digitalen Schichtplanung. Im Folgenden sehen wir uns beide Tools zur Schichtplanung genauer an:
Mithilfe von Excel-Vorlagen ist eine gut funktionierende Schichtplanung möglich, da sie meist wichtige Anforderungen an die Schichtorganisation erfüllen. Mit Excel kannst Du also Schichtpläne auf Monatsbasis erstellen und behältst den Überblick über Deinen aktuellen Personaleinsatz. Außerdem kannst Du bei Bedarf Anpassungen vornehmen. Folgendes gehört in einen Excel-Schichtplan:
Excel-Vorlagen beschränken sich meistens auf die wesentlichen Funktionen. Es ist zum Beispiel weder möglich, einzelnen Mitarbeiter*innen automatisch eine Schicht zuzuweisen, noch sie über die Schichtplanung zu informieren oder ihr Feedback dazu einzuholen. Zudem ist die manuelle Schichtplanung in Excel mit einem erheblichen Zeitaufwand verbunden.
✔️ Du suchst nach einer einfach zu bedienenden Excel-Vorlage zur Urlaubsplanung? Dann haben wir genau das, was Du suchst: 2022 Excel Urlaubsplaner zum Herunterladen
Gerade in einer komplexeren Arbeitsumgebung mit mehreren Standorten, Abteilungen oder Unternehmen innerhalb einer Unternehmensgruppe kann eine effiziente Schicht- oder Personaleinsatzplanung so schnell umständlich werden.
Hinter einer guten Schichtplanung stecken meist ein komplexer Planungsprozess und ein erhöhter Verwaltungsaufwand. Deshalb sollte eine gute Planungssoftware folgende Aktionen ermöglichen:
Durch den Einsatz einer Software zur Schichtplanung ergeben sich zahlreiche Vorteile. Eine digitale Schicht- und Personaleinsatzplanung …
Falls du hilfe bei der entscheidung brauchst, welche Schichtplan Software die beste ist, schau dir gerne unseren Schichtplan Software Vergleich an - dort erklären wir dir alles worauf du achten musst.
Dank richtiger Vorbereitung und methodischen Prozessen muss die Schichtplanung kein Schreckgespenst sein. Die Kontrolle über die Schichtplanung entlastet nicht nur die betroffenen Manager*innen, sondern führt auch zu einem effizienteren Ressourceneinsatz Deiner Mitarbeitenden und einer weniger durch Personalprobleme gefährdeten Unternehmenskultur.
Wir empfehlen den Einsatz eines Online-Schichtplaners, um für mehr Transparenz und Übersicht bei den Arbeitszeiten zu sorgen.