Im ersten Teil unserer Blog-Serie haben wir Dir grob den Inhalt der neuen EU-Richtlinie erklärt: Ab Juni 2026 ist Entgelttransparenz für Dein Unternehmen verpflichtend. Besonders im Mittelstand und in gewerblich geprägten Branchen bedeutet das eine Zäsur. Gewachsene Gehaltsstrukturen in vielen Unternehmen werden einer Prüfung nur dann standhalten, wenn sie mit objektiven Kriterien erklärt werden können.
Zukünftig stehst Du in der Pflicht: Du musst Deine Entgelte erklären, Unterschiede sachlich begründen und diese Logik lückenlos dokumentieren.
Doch was ist gleichwertige Arbeit? Wie vergleichst Du die Wertigkeit von Positionen, die sich im Arbeitsalltag kaum ähneln?
Die EU-Richtlinie definiert vier Leitkriterien, die Du nutzen kannst, um den “Wert” der in Deinen Unternehmen vorhandenen Jobprofile zu bestimmen. Um diese vergleichbar zu machen, vergibst Du pro Kriterium Punkte, zum Beispiel auf einer Skala von 1 bis 20. Natürlich kannst Du weitere Kriterien oder Unterkriterien hinzufügen, die Deinem Betrieb besser entsprechen.
Hier bewertest Du das notwendige Qualifikationsprofil der Stelle:
Hier müssen die meisten Unternehmen, insbesondere mit gewerblichen und administrativen Mitarbeitern, umdenken. Die EU verlangt, dass Du psychische Lasten wie Zeitdruck oder Multitasking als gleichwertig zu physischen Lasten anerkennst.
Wer trägt die Konsequenzen für das Ergebnis?
Hier bewertest Du Faktoren wie Schichtarbeit, Lärm, Hitze oder Gefahrenstoffe. Begreife diese Bedingungen als festen Bestandteil Deiner Stellenbewertung, nicht bloß als isolierte Zulage.
Beachte, dass dies ein Beispielmodell und stark vereinfacht ist. In der Praxis können verschiedene Dimensionen von Verantwortung individuell bewertet und gewichtet werden. Aber schauen wir uns jetzt einmal beispielhaft an, wie eine Fachkraft für Lagerlogistik und eine medizinische Fachangestellte (MFA) in einem solchen Punktesystem nebeneinander stehen könnten:
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Kriterium |
Bürokauffrau (Beispiel) |
Lagerlogistik (Beispiel) |
Erläuterung |
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Fachwissen |
12 Pkt. |
12 Pkt. |
Beide: 3-jährige Ausbildung + Erfahrung |
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Belastung |
8 Pkt. |
8 Pkt. |
Praxis: Zeitdruck & Multitasking vs. Lager: Physische Arbeit |
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Verantwortung |
6 Pkt. |
7 Pkt. |
Lager: Höhere Sachverantwortung |
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Bedingungen |
5 Pkt. |
9 Pkt. |
Praxis: Patientenkontakt, Telefon vs. Lager: Lärm, Kälte, Schichtarbeit |
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Gesamtscore |
29 Punkte |
36 Punkte |
Das Ergebnis: Obwohl beide eine ähnliche Ausbildung haben, landet die Logistik-Fachkraft durch die Arbeitsbedingungen in einer höheren Entgeltgruppe. Dieser Unterschied ist nun systematisch objektiv dargestellt und rechtlich sicher dokumentiert.
Innerhalb der so ermittelten Entgeltgruppen darfst Du weiterhin differenzieren. Entgelttransparenz bedeutet nicht Einheitslohn, sondern einfach eine Begründungspflicht. Dazu zählen Faktoren, die in der Person liegen:
Früher hieß es oft, der Markt diktiere das Gehalt. Doch Juristen warnen: Rein subjektives Verhandlungsgeschick darf ab 2026 keine Rolle mehr spielen. Wenn Du jemandem mehr zahlst, musst Du dies über Deine Kriterien-Säulen oder personenbezogene Leistungen herleiten können.
In Deiner HR-Software führst Du diese Ebenen zusammen:
Sieh oder hör dir zum Thema Entgelttransparenz auch unseren Podcast mit Karol von twinwin an. Video